Zwischen Gören und Woldegk steht eine Futtermiete. Die gab es schon in der DDR, als glückliche Kühe den Plan der LPG erfüllten. Noch heute wird sie jeden Herbst bestückt, nun eben für das Vieh der Agrargenossenschaft. Die Milch ist immer noch weiß und fließt reichlich.
Im Mai 2004, als wir zum ersten Mal über Prenzlau und Woldegk nach Grauenhagen fuhren, stand der Spruch an der Miete und so ist es bis heute heute geblieben:
Im Frühjahr, wenn die Silage verbraucht ist, kommt er hervor, zuerst verwittert, dann frisch nachgemalt: „Susi, ich liebe Dich“, verziert mit rotem Herz! Aus Susi wurde auch mal Helga, Bärbel oder Laura und dieses Jahr gibt es gar keinen Namen.
Alle sehen den Spruch und keiner spricht darüber. Gibt es eine Geschichte? Kennt sie Jemand?
Wenn Du in Grauenhagen so etwas wissen willst, dann gehst du nicht in die Kneipe, die gibt es seit der Wende nicht mehr, du gehst Freitagabend zum Bushäuschen. Da treffen sich immer ein paar von den ganz Alten, die gern von früher träumen, und manchmal auch davon schwatzen.
Ob Du eine Antwort auf deine Fragen bekommst, ist eine andere Sache, ein paar mitgebrachte Flaschen Bier können aber nicht schaden:
„Wer hat denn den Spruch auf die Miete geschrieben?“
„Welchen Spruch? Ach Susi, he he! Ja dat war wohl der Dieter?“
„Nee Dieter war dat nich! Einer von die Traktoristen war dat!“
„Na säg ik doch, Dieter.“
„Nee Dieter war doch in Stall – nich aufm Trekker.“
So geht das eine Weile hin und her.
Gesichert sind die Informationen nicht, die Experten sind sich nicht einig aber wahrscheinlich war es so:
Irgendwann, als die Wiesen noch viel grüner und die Männer viel jünger waren, gab es einen zugereisten Trekkerfahrer Dieter, der sich in Susi, die in Woldegk in der Buchhaltung arbeitete, verliebte. Susi war schön aber unnahbar und sie fuhr jeden Morgen, an der Miete vorbei, zur Arbeit.
So kam es, dass Dieter seine Botschaft an die Mietenwand pinselte, Susi jeden Morgen daran vorbeifahren musste und sich endlich auch in Dieter verliebte.
Ob Dieter den Spruch dann jedes Jahr selbst erneuert hat oder ob er zum Begründer einer Tradition wurde, die andere fortgesetzt haben, auch da streiten meine Gewährsleute vom Bushäuschen.
Jedenfalls sind Susi und Dieter nach der Wende in den Westen gezogen und wer den Spruch dieses Jahr neu angemalt hat – das bleibt auch nach dem dritten Bier ein Geheimnis.